Weder das vergleichsweise niedrige Gehalt noch die eher schlechten Rahmenbedingungen für eine langfristige Beschäftigung schreckten Timo Kehl von einer karriereorientierten Karriere ab. Der 36-Jährige ist seit 2011 Postdoc am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg. Er ist spezialisiert auf angewandte Tumorvirologie und erforscht tierische Retroviren und deren mögliche Übertragung auf den Menschen sowie die potenziell daraus resultierenden Krankheiten. Während er Spaß an seiner Arbeit habe, behalte er einen realistischen Blick auf die Situation, sagt Kehl. Seine derzeitige Position hat noch ein halbes Jahr, danach wird sie verlängert oder er muss anderswo Arbeit finden. Die Alternative besteht darin, die aktive Forschung zu verlassen und in die Verwaltung zu gehen. Denn die Chancen, einen Platz in diesem Bereich zu bekommen, sind gut. “Ich möchte nicht mit Scheuklappen herumlaufen”, sagt Kehl. “Von Anfang an einen Plan B zu haben, war mir wichtig.” Wenn ihre Rolle als Leiterin der Nachwuchsforschungsgruppe nicht erweitert wird, ist Eyerichs Plan B noch recht vage. Sie könnte sich aber vorstellen, in die Industrie zu wechseln. “Bisher habe ich immer einen Weg gefunden”, sagt Stefanie Eyerich und fügt hinzu: “Eine hohe Dosis Optimismus ist in der Wissenschaft sehr wichtig.” Ein weiteres Problem ist, dass Inhalt, Dauer und Parameter für die Postdoc-Phase nicht definiert sind. “Postdoktorandenstudium ist eine begrenzte Zeit an einer Forschungseinrichtung nach abschluss der Promotion wissenschaftliche Tätigkeit”, erklärt Universitätsforscher René Krempkow.
“Es ist oft eine Übergangsphase, die der weiteren akademischen Qualifikation dient.” Die Postdoc-Phase sollte idealerweise nicht länger als zwei bis vier Jahre dauern, allerdings bleiben einige junge Wissenschaftler viel zu lange in Postdoc-Positionen stecken. Krempkow sieht in der Tendenz zur befristeten Beschäftigung eine große Hürde: “Während das Wissenschaftszeitvertragsgesetz nach abschluss der Promotion die befristete Beschäftigung in der Wissenschaft auf sechs Jahre begrenzt”, sagt er, “ist es bei von Dritten finanzierten Forschungseinrichtungen immer noch möglich, weit über das 40. Lebensjahr hinaus als `Junger Wissenschaftler` zu gelten”. Wer Spaß an der Arbeit hat und bereits weiß, worauf er sich einlässt, sollte trotz der Umstände seinen Zielen treu bleiben, ermutigt Eyerich. Timo Kehl versucht auch nicht, junge Akademiker davon abzuhalten, den Schritt in die Wissenschaft als solche zu machen. Es sei wichtig, “viel Enthusiasmus, Idealismus und Ehrgeiz” zu haben und “nicht von Misserfolgen abgeschreckt zu werden”. Auch die Expertise im Projektmanagement ist von Vorteil, da Postdocs oft an Projekten beteiligt sind, erklärt Kehl. Stefanie Eyerich rät, Zeit im Ausland zu verbringen, um die Chancen zu verbessern.